Rückblick 2025: Viele positive Entwicklungen!
- Paul Wechselberger
- 31. Dez. 2025
- 18 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Jan.
Es ist mittlerweile schon eine kleine Blog-Tradition, dass ich an Silvester einen Jahresrückblick veröffentliche. Das Jahr 2025 hat ganz anders angefangen als 2024. Zum Glück! Diesmal waren die ersten Wochen des Jahres unspektakulär und langweilig. Wer meinen Jahresrückblick 2024 gelesen hat, weiß, warum ein langweiliger Start ins Jahr etwas Positives ist. Da Langeweile auf Dauer jedoch, naja, langweilig wird, bin ich aber auch froh, dass dieses Jahr doch einiges passiert ist. Arg negative Ereignisse gab es kaum! Natürlich gab es Tage, die anders gelaufen sind, als ich sie mir gewünscht hätte, aber insgesamt war es ein gutes Jahr, das mich nicht enttäuscht hat.
Das Schlimmste an Neujahr war, dass der FC Barcelona sechs Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze der spanischen Liga hatte. Na wenn man sonst keine Sorgen hat! Ein Jahr vorher, Anfang Jänner 2024, waren es sieben Punkte Rückstand gewesen, aber damals gab es ganz andere Sorgen. Darum soll es jetzt jedoch nicht gehen.
Nach den ersten hundert Tagen des Jahres 2025 zog ich in einem Text eine sehr positive Zwischenbilanz. Der elfte April bot sich perfekt an, um so einen Text zu veröffentlichen, denn es war genau ein Jahr her, seit mein Bruder von seinem viel zu langen Krankenhausaufenthalt endlich nach Hause konnte. Außerdem erschien am elften April 2025 das neue Album meiner Lieblingsband Bon Iver. Der FC Barcelona sah zu dem Zeitpunkt so überzeugend aus, wie seit Jahren nicht mehr. Die Nationalen Wettbewerbe gewann der Club tatsächlich: Über den Super Cup-Sieg im Jänner habe ich bereits berichtet. Ende April fand das Finale der Copa del Rey gegen Real Madrid statt. Es war ein richtig spannendes Spiel, das in die Verlängerung ging, wo sich Barcelona letztendlich knapp mit 3:2 durchsetzte. Den Ligatitel fixierte der Club Mitte Mai bereits am drittletzten Spieltag nach dem Sieg gegen den Stadtrivalen Espanyol Barcelona. Vier Tage zuvor hatte der FC Barcelona in einem spektakulären Duell, wieder gegen Real Madrid, 4:3 gesiegt und damit in der Liga den Vorsprung auf die Rivalen aus Madrid entscheidend ausgebaut.
Im November konnte der FC Barcelona nach zweieinhalb Jahren endlich in sein richtiges Heimstadion zurückkehren, das nach Renovierungsarbeiten jetzt wieder geöffnet ist. Allerdings sind im Moment weniger Zuschauer zugelassen, denn die Arbeiten an der Tribüne sind noch nicht abgeschlossen.
Da es in diesem Rückblick aber nicht nur um Fußball gehen soll, möchte ich auch berichten, was in meinem eigenen Leben dieses Jahr passiert ist. (Ganz am Ende dieses Textes beschreibe ich nochmal genauer, wie ich das Jahr als Fan des FC Barcelona wahrgenommen habe.)
Im Februar unternahm ich mit meinem Vater einen „Miniurlaub“, denn ich war wieder mal auf einem Konzert. Da Bon Iver seit Sommer 2023 keine Tour mehr hatte, entschied ich mich für ein Konzert des Pianisten Ludovico Einaudi. Dafür mussten wir nach Zürich fahren. Die anschließende Nacht verbrachten wir im Hotel, das direkt gegenüber vom Hallenstadion lag, wo das Konzert stattfand, sodass wir nur die Straße überqueren mussten. Online hatte ich vorher auch mehrere Restaurants in der Nähe ausfindig gemacht, wo wir am Nachmittag vor dem Konzert etwas essen könnten. Die Entscheidung fiel schließlich auf ein nur wenige hundert Meter entferntes Steakhaus.
Da ich sehr viel zu Hause bin und nur selten in andere Städte komme, ist es für mich besonders schön und im positiven Sinn aufregend, neue Orte zu sehen. Auch wenn es nur eine Nacht war, die wir im Hotel verbrachten, kommen bei solchen Kurztrips Urlaubsgefühle in mir auf, die mich auch an früher erinnern, als wir mehrmals im Jahr als ganze Familie auf Urlaub fuhren.
Auch in Zukunft möchte ich hin und wieder auf ein Konzert gehen. Je mehr Musiker oder Bands mir gut gefallen, umso mehr Möglichkeiten werden sich bieten, um zu einem Konzert zu kommen. Es gab eine Phase von fast zwei Jahren, in der ich nahezu nur Musik von Bon Iver anhörte und mich auch noch keine Konzerte von anderen interessierten. Mittlerweile hat sich das ein wenig gewandelt: Zwar finde ich Bon Iver nach wie vor eindeutig am besten und es ist immer noch die Musik, die ich am meisten höre, doch bereits gegen Ende des letzten Jahres habe ich begonnen, häufiger auch Musik von ein paar anderen Künstlern anzuhören. Oft auch mit der Intention im Hinterkopf, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass Konzerte in meiner Nähe stattfinden, die mich interessieren. Bis auf das Einaudi-Konzert hat sich bisher jedoch noch nichts ergeben, aber immerhin kenne ich jetzt noch ein paar weitere Künstler, auf deren Konzerte ich gehen würde, falls sich einmal die Gelegenheit bietet. In der ersten Jahreshälfte war ich sehr auf Ben Howard fixiert. Mittlerweile hat sich mein Hype etwas gelegt, doch viele seiner Lieder gefallen mir weiterhin sehr. Daneben habe ich auch an ein paar anderen Musikern und Musikgruppen Gefallen gefunden. Von manchen höre ich bereits seit ein paar Jahren manchmal etwas an. Dieses Jahr habe ich es jedoch öfter und bewusster getan. „Novo Amor“, „M83“, „Gregory Alan Isakov“ und vielleicht noch „Damien Rice“ sind ein paar Beispiele.
Wenn ich nach Musik suche, geht es mir nicht immer nur darum, Möglichkeiten für Konzertbesuche zu öffnen. Hin und wieder suche ich auch einfach nach Liedern, die vor zehn, zwölf oder 15 Jahren überall gelaufen sind. Wenn ich sie jetzt anhöre, entstehen in mir schöne Gefühle und Erinnerungen an die Vergangenheit kommen hoch. Es ist, als wäre ich wieder in die alte Zeit zurückversetzt. Hin und wieder habe ich dieses Jahr auch richtig alte Musik angehört. Simon & Garfunkel gefallen mir zum Beispiel gut. Andere Beispiele für alte Lieder, die ich immer wieder gerne anhöre, sind „In The Air Tonight“ von Phil Collins und „Don’t Give Up“ von Peter Gabriel.
2025 war ein Jahr, in dem ich mir weniger Sorgen gemacht habe. Es ging mir mental besser und ich war etwas positiver und optimistischer gestimmt als in den ein, zwei Jahren davor. Der Grund, dass ich weniger Sorgen habe, ist aber nicht, dass ich sie einfach verdränge. Ganz im Gegenteil: Im Moment habe ich eine Phase, in der ich mich gut genug fühle, um ehrlich über Dinge nachzudenken und frühzeitig Veränderungen vorzunehmen oder zumindest zu planen. Neuem, Ungewohntem gegenüber möchte ich bewusst etwas aufgeschlossener sein, was nur gelingt, wenn ich ab und zu über meinen eigenen Schatten springe.
Ich denke jetzt konstruktiv über viele Dinge nach, die für die Zukunft relevant sind. Statt mich nur zu sorgen oder alternativ einfach das Negative auszublenden und zu verdrängen, bis es ein riesiges Problem wird, das nicht mehr ignoriert werden kann, überlege ich mir schon lange im Voraus Lösungen und gehe diese auch aktiv an. Das läuft nicht mit Angst oder Widerwillen ab, sondern ich blicke dabei nach vorne. Ich weiß nämlich genau: Die verschiedenen Hilfsmittel und Lösungen, die in Zukunft notwendig sein werden, sind nicht dazu da, mir das Leben zu vermiesen, sondern ganz im Gegenteil: Sie sorgen dafür, dass ich weiterhin ein gutes Leben genießen kann.
Erstens habe ich den Wechsel zu einem anderen Beatmungsgerät für die Nacht vorgenommen. An sich war es keine dramatische Veränderung, denn meine Beatmungseinstellungen sind gleichgeblieben. Allerdings sind es eben doch unterschiedliche Geräte. Als ich 2024 bei einer Kontrolle im Krankenhaus auch schon die Möglichkeit bekommen hätte, auf das andere Gerät umzusteigen, wagte ich es noch nicht, da mir minimale Unterschiede auffielen, die für mich ungewohnt und auch etwas unangenehm waren. Dabei wäre das neue Gerät klar besser gewesen, da es optional mit einem internen Akku ausgestattet werden kann, der die Maschine auch am Laufen hält, wenn die Stromversorgung unterbrochen ist. Solange ich noch das alte Beatmungsgerät benutzte, das keinen Akku hatte, gab es bei mir eine Angst, die ich zwar die meiste Zeit verdrängte, die aber hin und wieder in meinen Gedanken aufkreuzte: Was, wenn es mitten der Nacht einen Stromausfall gäbe? Ich brauche die Beatmung beim Schlafen unbedingt, da ich sonst starken Sauerstoffmangel bekäme. Und wenn das Gerät im Schlaf aufgrund eines Stromausfalls ausgegangen wäre, hätte ich das erst dann bemerkt, wenn ich durch starke Atemnot in Panik aufgewacht wäre!
Das war die Hauptmotivation für meinen Umstieg auf ein Beatmungsgerät mit Akku. Es gibt allerdings noch einen weiteren Grund, der sich mehr auf die Zukunft bezieht: Ich werde später auch am Tag Beatmung brauchen, wenn meine Atemmuskulatur durch das Fortschreiten der Krankheit noch mehr geschwächt sein wird. Dann ist es natürlich unverzichtbar, dass ich nicht auf die Steckdose angewiesen bin, sondern mit dem Gerät überall hinkomme. Ich plane schon voraus und sehe dieser Veränderung, die sich in der Zukunft vollziehen wird, nicht negativ oder besorgt entgegen. Bis vor etwa einem halben Jahr habe ich fast nie aktiv darüber nachgedacht, wie das mit der Beatmung am Tag sein wird. Ich musste auch nicht darüber nachdenken, denn ich bekam den ganzen Tag über ohne Atemunterstützung ausreichend Luft. Bei meinen früheren körperlichen Verschlechterungen blieb ich jedoch oft auch dann noch in der „Nicht-darüber-nachdenk“-Phase, wenn die Probleme sich bereits deutlich zeigten. Ich ignorierte die Sachen häufig lange. Diesen Fehler möchte ich nicht mehr machen. Deshalb höre ich jetzt besser auf die Zeichen meines Körpers.
Vor zwei Monaten spürte ich häufig am späten Nachmittag eine Müdigkeit oder Abgeschlagenheit. Statt das Gefühl zu ignorieren, fing ich bald an, das Beatmungsgerät auch am Tag zumindest manchmal eine Stunde lang zu verwenden, bestenfalls natürlich in der Zeit, in der die Erschöpfung am stärksten spürbar wurde. Am Tag habe ich eine andere Maske, damit sich die Druckstellen von der Beatmungsmaske, die ich jede Nacht trage, nicht verschlimmern. Die Maske für untertags hat zwei kleine Öffnungen, die direkt in die Nasenlöcher kommen. Ich habe sie bereits im Oktober bestellt, in weiser Voraussicht, dass ich sie vielleicht bald „brauchen“ würde. Mittlerweile versuche ich, die Beatmung zweimal am Tag jeweils mindestens eine Stunde lang in Anspruch zu nehmen. Der Vorteil ist, dass ich sie jetzt noch gar nicht so dringend bräuchte, wodurch sich die Benutzung am Tag für mich irgendwie „freiwillig“ anfühlt.
Im Herbst habe ich noch eine weitere Sache freiwillig ausprobiert: Trinknahrung. Da das Kauen mit zunehmender Dauer auch nicht einfacher werden wird, könnte es helfen, zwischendurch spezielle protein- und nährstoffreiche Flüssignahrung zu mir zu nehmen. Dringend ist es noch nicht, aber ich wollte mich einfach mal damit vertraut machen. Besonders gut schmeckt mir das dickflüssige Gebräu zwar nicht, aber wenigstens weiß ich jetzt, dass ich es herunterbringe. Falls ich mal einen Tag haben sollte, an dem ich im Bett bleibe, wenn ich zum Beispiel krank sein sollte, werde ich froh sein um flüssige Nahrung, denn im Liegen ist vom Kauen und Schlucken fester Lebensmittel klar abzuraten.
Dadurch, dass ich dieses Jahr über viele vergangene, einschneidende Ereignisse aus meinem Leben geschrieben habe, wurde mir nochmal so richtig bewusst, wie oft ich Unangenehmes oder negative Veränderungen einfach verdrängt habe. Oft hat sich mein Leid dadurch nur vergrößert, weil ich unnötig lange gebraucht oder gewartet habe, bis ich Neues annehmen konnte. Diese Übergangsphasen waren meist keine sehr angenehmen Zeiten. Aus diesem Grund möchte ich aus der Vergangenheit lernen und mich von nun an proaktiv mit der näheren Zukunft und meinen körperlichen Veränderungen auseinanderzusetzten. Das bedeutet, dass ich mit bestimmten Sachen schon anfange, bevor ich sie dringend brauche. So kann ich unter entspannten Bedingungen „üben“ und mich langsam daran gewöhnen, damit es sich dann, wenn ich es wirklich brauche, bereits normal für mich anfühlt und ich nicht so, als würde ich ins kalte Wasser geschmissen werden.
Kaltes Wasser ist ein gutes Stichwort: Im August war ich einmal im Strandbad. Das vierte Jahr in Folge. In den drei Sommern davor hatte ich es immer erst im September auf den letzten Drücker geschafft. Diesmal kam mir eine großartige Idee: Es wäre kompliziert für meinen Vater gewesen, allein mit mir baden zu gehen und mich hinein- und hinauszuheben, also empfahl es sich, eine weitere helfende Person mitzunehmen. Ich musste gar nicht so lange überlegen, wer diese Person sein könnte. Über WhatsApp schrieb ich Thijs, den ehemaligen Physiotherapeuten von meinem Bruder und mir an, ob er uns helfen könne, da ich wusste, er wäre die richtige Wahl dafür. Außerdem ist er ein netter, toller Mensch, den ich einfach wieder mal treffen wollte. Zum Glück war er von meiner Idee genauso überzeugt wie ich.
Jedes Mal, wenn ich im Strandbad bin, fühlt es sich wie eine kleine Zeitreise an und erinnert mich an meine Kindheit, als ich in den Sommern sehr oft hier war. Da ich jetzt nur so selten baden gehe, habe ich jedes Jahr aufs Neue die Sorge, dass ich einen „Kälteschock“ bekomme, wenn ich plötzlich mit dem ganzen Körper ins Wasser eintauche und Jahr für Jahr bin ich angenehm überrascht, dass ich gut mit dem abrupten Temperaturwechsel zurechtkomme. Klar, am Anfang fühlt es sich etwas kühl an, doch bereits nach wenigen Sekunden gewöhne ich mich daran.
Nach unserem Badeausflug ging ich noch mit meinem Vater ins Wirtshaus am See. Dort lief uns zufällig eine ehemalige Lehrerin von mir über den Weg, die erzählte, dass sie durch Zufall meinen Blog gefunden habe. Sie fand die Botschaft in meinen Texten wertvoll genug, dass sie mich fragte, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn sie den ein oder anderen Blogbeitrag in ihrem Unterricht bespreche. Das erlaubte ich ihr natürlich dankend, denn ich freue mich stets, wenn mein Blog seine Aufmerksamkeit erhöhen kann. In dieser Hinsicht haben sich in den letzten Monaten mehrere Dinge ereignet, zu denen ich später nochmal komme.
Nach dem Baden hatte ich ein oder zwei schlechtere Wochen, denn direkt am Tag danach wurde ich etwas krank. Ich hatte die typischen Erkältungssymptome wie Hals- und Kopfschmerzen. Dazu kamen eine sehr trockene Nase und eine schmerzende Stelle im Mund. Ansonsten war ich in diesem Jahr aber nie krank, vielleicht abgesehen von einem einzigen Tag im Juli, als ich etwas Durchfall hatte.
Stolz bin ich darauf, was ich dieses Jahr, vor allem ab Mai, in meinem Studium geschafft habe. In den ersten Monaten dieses Jahres ging ich es noch etwas ruhiger an und ließ mir mehr Zeit, wie auch über weite Strecken des Jahres 2024. Doch Mitte Mai 2025 schwor ich mir, dass ich fleißiger studieren möchte als bisher, denn ich will auch irgendwann fertig werden. Außerdem kostet das Studium monatlich etwas, also ist es insgesamt umso teurer, je länger ich dafür brauche. Insofern sehe ich mich meinen Eltern gegenüber „verpflichtet“, nicht unnötig viel herumzutrödeln. Ich habe es geschafft, wieder mehr Schwung in mein Studium zu bringen und auch Lust und Motivation haben sich erhöht. Auch während des Sommers ließ ich es nicht schleifen.
Was die Assistenzpersonen anbelangt, sind wir jetzt deutlich besser versorgt als noch Ende 2024. Damals mussten oft weitere sporadische Helfer eingesetzt werden, aber momentan brauchen wir diese nur sehr selten. Zwar hat im Oktober eine sehr gute und erfahrene Assistentin aufgehört, doch dafür sind dieses Jahr zwei Neue dazugekommen, die zurzeit beide jeweils drei bis vier Halbtage pro Woche abdecken. Sie haben großen Anteil daran, dass im Moment sechsmal in der Woche von 9 bis circa 19 Uhr eine Assistenzperson bei mir ist. Wie lange das so gehen wird, wissen wir nicht, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich die Assistenzsituation jederzeit ändern kann. Deshalb achtet unsere Mutter stets darauf, dass sie noch weitere Leute in der Hinterhand hat, die bei Bedarf immer wieder einspringen können. Auch unser ehemaliger Physiotherapeut hat, als er uns vor drei Wochen zu Hause besuchte, angeboten, sporadisch auszuhelfen, wenn eine Assistenzperson ausfällt. Wir nahmen das Angebot sehr gerne an, denn Thijs ist uns sehr sympathisch und wir möchte den Kontakt mit ihm auf jeden Fall aufrechterhalten. Über wiederkehrende Besuche von ihm würde ich mich also sehr freuen!
Was Thijs als Physiotherapeuten auch freuen würde, wenn er es erfährt, ist, dass ich mich dafür entschieden habe, neue Schienen für die Fingerkorrektur machen zu lassen. Vor fünf Jahren hatte ich schonmal Handschienen, da Thijs sie mir empfohlen hatte. Allerdings schienten sie auch den Unterarm und störten mich beim Schlafen, weshalb sie die meisten Nächte nicht im Bett an meinen Händen, sondern neben dem Bett in einer Kiste verbrachten. Vor vier Jahren hörte ich schließlich offiziell ganz auf, sie zu verwenden. Bereits ein halbes Jahr später begann sich mein rechter Zeigefinger zu beugen, sodass ich ihn ganz langsam immer weniger strecken konnte. Lange störte es mich nicht und ich kam gut damit zurecht. Da die Beugung immer stärker wurde, fand ich Wege, die Computermaus und den Joystick meines Rollstuhls zu bedienen, ohne den rechten Zeigefinger benutzen zu müssen. In den letzten Monaten ist mir jedoch aufgefallen, dass ein paar andere Finger auch langsam beginnen, sich weniger strecken zu lassen. Außerdem ist die Krümmung des rechten Zeigefingers mittlerweile so weit fortgeschritten, dass es etwas kompliziert ist, den Fingernagel zu schneiden.
Ich habe also realisiert, dass es wichtig sein könnte, die momentane Fingerstellung zumindest so gut es geht zu erhalten. Als erstes probierte ich es mit Schienen für die einzelnen Finger, die ich im Internet bestellte. Doch sie waren sehr unangenehm und konnten ohnehin wenig ausrichten. Aus diesem Grund habe ich mich mit einem Orthopädietechniker aus Dornbirn in Verbindung gesetzt, der damals meine alten Schienen und auch die Sitzschale meines Rollstuhls hergestellt hatte. Anfang Dezember hatte ich dort einen Termin, bei dem mir zwei interessant aussehende „Stoffkissen“ für die Hände zum Ausprobieren mitgegeben wurde. Sie sind auf alle Fälle besser als nichts und ich trage sie stets die ganze Nacht an beiden Händen(,was meine Schlafqualität zum Glück nicht einschränkt.) Allerdings ist das Produkt noch nicht die Ideallösung für mich, denn manche Finger könnten noch deutlich mehr Streckung vertragen. Im neuen Jahr werde ich also erneut zu einem Termin in Dornbirn erscheinen, um von den Händen Gipsabdrücke machen zu lassen, während die Finger so weit wie möglich gestreckt sind. Anhand dieser Vorlage sollen meine neuen Handschienen entstehen. Ich bin fest entschlossen, sie wirklich jede Nacht zu tragen, sobald ich sie habe!
Zwei Neuerungen aus diesem Jahr haben mit Vorrichtungen zum Zweck meiner Kopfstabilität zu tun: Da mein Kopf unweigerlich wild zu wackeln beginnt, sobald ich draußen mit dem Rollstuhl unterwegs bin oder als „Passagier“ in unserem Auto, besitze ich seit September ein professionelles Produkt zur Fixierung des Kopfes an der Kopfstütze und muss mir nicht mehr mit provisorischen Lösungen helfen. Es kann an jeder Kopfstütze recht unkompliziert angebracht werden. Auch das Entfernen geht ganz schnell: Wenn ich nach einer Spazierfahrt wieder zurück zu Hause bin, müssen nur schnell die zwei Verschlüsse geöffnet werden und schon kann man die Kopffixierung wegnehmen.
Auch die Kopfstütze selbst ist neu bei meinem Rollstuhl. Im Jahresrückblick 2024 habe ich bereits die komplexe Situation bezüglich meiner Rollstuhlkopflehne(n) beschrieben: Im Sitzen ist mein Kopf weiter unten, als wenn der Rollstuhl nach hinten geneigt ist und ich an den Schultern nach oben gezogen wurde. Deshalb wurde „über“ der gewöhnlichen Kopfstütze etwas nach hinten versetzt noch eine zweite angebracht, doch es war mehr eine improvisierte Lösung, denn die obere Lehne hielt nicht fix an einer Stelle, sondern drehte sich oft seitlich und musste ständig wieder zurück in die richtige Position gebracht werden. Fast ein Jahr lang ging das so, bis schließlich im November eine optimierte Version eines Konstrukts aus zwei „übereinanderliegenden“ Kopfstützen bereit zum Einbau war. Es brauchte etwa eine Woche, in der immer wieder Anpassungen an der Positionierung vorgenommen wurden, bis ich mich langsam an die Neuerung gewöhnte. Jetzt, nachdem ein weiterer Monat vergangen ist, kann ich mit Recht behaupten, dass es insgesamt eine deutliche Verbesserung darstellt.
Ihr seht also, dass sich dieses Jahr Einiges getan hat. Und was hat sich bei meinem Blog getan? Dieses Jahr habe ich 27 Texte veröffentlicht, was bedeutet, dass es mir gut gelungen ist, den von mir angestrebten Zweiwochenrhythmus einzuhalten. Euch wird wahrscheinlich aufgefallen sein, dass ich 2025 nur sehr wenige Texte über einzelne Personen geschrieben habe. Genau genommen waren es nur zwei, und diese Personen haben es sich redlich verdient. Ganz recht, Mafia-Dracula und Esmeralda, ihr habt es verdient! Da ich aber gelernt habe, dass Texte, die sich eine einzige Person vornehmen, manchmal etwas zu harsch rüberkommen, wenn dort das ganze Fehlverhalten aufgezählt wird, mache ich das nurmehr sehr selten. Als Kompromiss habe ich heuer immer wieder Texte mit kurzen Beschreibungen von Szenen und Situationen veröffentlicht, die von ganz Verschiedenen Menschen handeln, damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde mit dem Finger nur auf eine Person allein zeigen. Egal, ob es um eine oder um mehrere Personen geht: Meine Texte bilden vor allem eine Sache ab: Die Wahrheit! (Oder zumindest meine Sicht der Wahrheit.)
Wenn ich einen neuen Text veröffentlicht habe, erstelle ich seit diesem Jahr nicht mehr nur einen Instagram-Beitrag mit einem Textausschnitt, sondern ich promote Textveröffentlichungen auch noch mit einer Insta-Story. Die normalen Instagram-Beiträge erstelle ich immer am Computer, denn den kann ich besser bedienen. Da Instagram-Storys aber nur am Handy erstellt werden können, brauchte ich eine Möglichkeit, wie ich das Handy selbstständig bedienen konnte. Glücklicherweise hat mein Bruder mir ein Programm gezeigt, mit dem man sein Handy über den Computer bedienen kann. Ich selbst bin ja schon sehr gut darin, Lösungen für meine Probleme zu finden, aber wenn ich nicht mehr weiterweiß, kann ich mich immer noch an meinen Bruder wenden!
Im September schrieb ich die Lehrerin an, die ich im Sommer zufällig getroffen hatte, mit der Bitte, ob sie mir helfen könne, einen Teil des Textes über meine Zeit im Gymnasium Mehrerau auf die Schulwebseite zu bringen. Sie erklärte sich gerne dazu bereit und zehn Tage später erschien auf der Mehrerau-Seite tatsächlich ein Ausschnitt des Textes inklusive einem Bild von mir und dem Verweis auf meinen Blog.
Natürlich ging es mir auch darum, die Reichweite meines Blogs zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, habe ich die letzten Monate noch Weiteres versucht. Oder anders formuliert: Es gab noch weitere Leute, die mir Möglichkeiten boten, um meinen Blog vielleicht ein bisschen bekannter zu machen. Es gibt einen deutschen Selbsthilfeverein für Menschen mit meiner Muskelkrankheit und deren Angehörige, der auch eine Zeitschrift, das Duchenne-Magazin, herausgibt. Ich bekam die Gelegenheit, einen Blogausschnitt an den Verein zu senden, der dann – zusammen mit ein paar Informationen über mich und den Verweis auf meinen Blog – auf einer Doppelseite in ihrer Zeitschrift abgedruckt wurde.
Im Herbst passierte aber noch etwas Besseres: Eine Freundin meiner Mutter hat den Kontakt zu einer Redakteurin der Vorarlberger Straßenzeitung „Marie“ hergestellt. Diese Redakteurin hat meine Mutter und mich interviewt und darüber einen Bericht geschrieben, der in der Dezemberausgabe der „Marie“ erschienen ist. Er erstreckt sich über vier Seiten, enthält ein paar Fotos und natürlich auch eine kleine Leseprobe aus meinem Blog. Der Artikel muss wohl schon ein wenig die Runde gemacht haben, denn vor Kurzem haben wir eine Anfrage von der VN bekommen! In Jänner werde ich also wieder interviewt. Es hat drei Jahre gedauert (so lange gibt es meinen Blog schon), aber jetzt werde ich endlich zur (immerhin regionalen Zeitungs-)Berühmtheit!
Für 2026 habe ich noch nicht viele genaue Pläne. Ich möchte auf jeden Fall den neu gewonnenen Schwung in meinem Studium ins neue Jahr mitnehmen und das ganze Jahr über weiterhin so fleißig und zügig weiterstudieren. Trotzdem will ich auch den Blog nicht vernachlässigen. Das letzte Jahr hat mir über weite Strecken gezeigt, wie ich beides unter einen Hut bekomme. Und hoffentlich wird sich wieder ein schöner Konzertbesuch ausgehen. Ein konkretes, großes Ziel für 2026 habe ich aber doch: Ich möchte es nach Barcelona schaffen, um vor Ort ein Fußballspiel meines Lieblingsvereins anzusehen, der mich seit bald 12 Jahre begleitet!
In diesem Sinne: Guten Rutsch und ein schönes neues Jahr 2026! Auf dass wir unsere Vorsätze und Wünsche in die Tat umsetzen!
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Nun für die, die es noch interessiert: die genauere Beschreibung, wie das Jahr für mich in der Rolle des Barca-Fans gelaufen ist:
Alle vier Clásicos, also Spiele gegen Real Madrid, die es in der Saison 2024/25 gab, hat Barcelona gewonnen! Das hatte es in den zehn Jahren zuvor, seit ich Barca-Fan bin, nie gegeben! Das Gesamtergebnis dieser vier Duelle lautete 16:7. Es hätte die perfekte Saison werden können. Aber die zwei Halbfinalspiele in der Champions League gegen Inter Mailand endeten im bittersten Ausscheiden, das man sich vorstellen kann. Nach zusammengerechnet 210 Spielminuten ging Inter Mailand mit einem Gesamtergebnis von 7:6 als Sieger hervor. Die Duelle waren eine einzige Achterbahnfahrt der Gefühle: Im Hinspiel lag Barcelona gleich mal 0:2 zurück, konnte aber noch vor der Halbzeitpause auf 2:2 stellen. In der zweiten Hälfte ging Mailand erneut in Führung, doch Barca gelang postwendend der Ausgleich. Mit einem 3:3 aus dem ersten Spiel ging es sechs Tage später nach Mailand zum Rückspiel, wo Barcelona wieder 0:2 in Rückstand geriet. Diesmal schoss mein Lieblingsclub die zwei Tore zum Ausgleich erst in der zweiten Halbzeit. Wenige Minuten vor Schluss gelang Barcelona sogar das Führungstor und es sah fünf Minuten lang so aus, als würden sie zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder ein Champions-League-Finale erreichen. Doch es sollte anders kommen, denn der Gegner kam doch noch zum Ausgleich und rettete sich somit in die Verlängerung. In der Verlängerung fiel nur noch ein Tor. Und das leider gegen Barcelona.
Die Spielergebnisse, die ich hier erwähnt habe, fassen sehr gut die Stärken, aber eben auch die Schwächen der Mannschaft zusammen: Sie hat eine tolle Offensive, die für viele Tore sorgt, aber die Verteidigung lässt deutlich zu wünschen übrig, denn es fallen zu viele Gegentore. Ein Team, das sehr oft trifft, aber häufig auch Tore kassiert, ist für den neutralen Zuseher natürlich super, denn unterhaltsame Spiele sind dadurch garantiert. Als Fan bin ich etwas zwiegespalten. Einerseits gefällt mir ein mutiger, offensiver Spielstil, der auch einfach das ist, was man beim FC Barcelona sehen möchte und auch erwartet. Aber in bestimmten Situationen würde man sich eine stabilere Defensive wünschen, und dass die Mannschaft weniger fahrlässig agiert. Zum Beispiel, wenn man nur noch drei Minuten ohne Gegentor überstehen müsste, um ins Finale der Champions League einzuziehen!
In der neuen Saison 2025/26, die seit August läuft, sind die defensiven Probleme nicht verschwunden, sondern sie sind noch stärker spürbar. Ein Stammspieler in der Abwehr hat den Club im Sommer verlassen. Jetzt, wo er nicht mehr da ist, bemerkt man erst, wie wichtig er war. Generell waren die Leistungen im Herbst weniger gut als letzte Saison, obwohl sich die Mannschaftszusammensetzung bis auf den erwähnten Verteidiger kaum verändert hat. Manche Spieler waren letzte Saison einfach in noch deutlich besserer Form. Dazu kommen Verletzungen, die sich immer wieder durchziehen: Kaum sind die einen wieder fit, verletzt sich schon der Nächste. Das mit den Verletzungen ist aber auch nichts Neues, denn damit hat Barcelona seit Jahren zu kämpfen. Natürlich gehört sowas zum Sport dazu, aber mir kommt vor, dass die Verletzungssituation beim FC Barcelona seit etwa fünf Jahren deutlich schlimmer ist als früher. Vielleicht täuscht mein Eindruck auch.
In der Gruppenphase der Champions League sind die Topspiele gegen Paris und Chelsea verloren gegangen. Zwar wird Barca es dennoch in die nächste Runde schaffen, aber aller Voraussicht nach reicht es nicht für die direkte Qualifikation für das Achtelfinale, sondern der Club wird zuerst an der Zwischenrunde teilnehmen müssen, um sich einen Platz im Achtelfinale zu erkämpfen. Das bedeutet zwei zusätzliche Spiele im ohnehin so engen Terminkalender.
Im Oktober schwächelte Barcelona auch in der spanischen Liga mit Niederlagen gegen Sevilla und Erzrivale Real Madrid. Danach hatte Barcelona fünf Punkte Rückstand auf Real und die Situation sah alles andere als rosig aus. Doch Barcelona hat alle acht Ligaspiele gewonnen, die seitdem waren. Außerdem hat Real Madrid währenddessen - wie schon letzte Saison - gezeigt, dass sie ihre Tabellenführung gerne nach Katalonien verschenken, denn zum Jahreswechsel grüßt Barcelona von der Tabellenspitze mit vier Punkten Vorsprung.
Ich muss Jahr für Jahr aufs Neue lernen, dass ich mein Glück nicht zu sehr vom Erfolg des Teams abhängig machen darf, denn das ist unsicher und kann sich jederzeit wandeln. Es ist mir gut gelungen, mit den paar Niederlagen in Topspielen, die es im Herbst gab, umzugehen. Im Moment scheint der Trend insgesamt wieder nach oben zu gehen, was auch absolut notwendig ist, wenn Barcelona im Frühling in der Champions League weit kommen will. Ob es diesmal fürs Finale oder gar den Sieg reicht? Ich habe meine Zweifel, aber positive Überraschungen darf es immer geben!






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