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Meine Fußballleidenschaft: Wie alles begann

  • Autorenbild: Paul Wechselberger
    Paul Wechselberger
  • vor 8 Stunden
  • 11 Min. Lesezeit

Seit Sommer 2014 interessiere ich mich sehr für Fußball. Hätte man mir ein paar Monate davor gesagt, dass mich bald schlagartig dauerhaft fast alles zu diesem Thema interessieren würde, hätte ich es wohl kaum glauben können. Bis dahin hatte ich mich so gut wie gar nicht dafür interessiert, außer vielleicht alle zwei Jahre: Sowohl zur WM 2010 als auch 2012 bei der Europameisterschaft hatte mich etwas das Interesse gepackt und ich schaute recht viele Spiele an.

 

Das allererste große Fußballturnier, von dem ich zumindest am Rande etwas mitbekam, war die Europameisterschaft 2008, die in Österreich und der Schweiz stattfand. Ich war sechs Jahre alt und schaute so gut wie keine Spiele an, außer die zweite Halbzeit des Finales zwischen Spanien und Deutschland, gemeinsam mit meinem Bruder. Im Laufe des Turniers hatte Österreich gegen Deutschland verloren, weshalb mein Bruder im Finale zu Spanien hielt und nicht zu unserem Nachbarland, das „uns“ aus dem Turnier gekegelt hatte. Solche Überlegungen waren für mich nicht relevant. Aber da ich mich ja auch für eine der Seiten entscheiden wollte, favorisierte ich Deutschland, aus dem einfachen Grund, dass mir ein Land, das nur wenige Kilometer entfernt ist und in dem die gleiche Sprache gesprochen wird wie bei uns, einfach vertrauter war, während ich über Spanien nur wusste, dass die Erdbeeren, die von dort kommen, nicht gut sein sollen. Das ist wirklich wahr: Bis dahin hatte ich von diesem Land tatsächlich immer nur dann gehört, wenn meine Mutter die Qualität spanischer Erdbeeren bemängelte! Und die sollen gut Fußball spielen können? Offensichtlich ja, denn die Spanier gewannen 1:0 und krönten sich zum Europameister.

 

Zwei Jahre später, während der Weltmeisterschaft, hatte ich bereits mitbekommen, dass es sich in Österreich scheinbar nicht gehört, für den großen Rivalen aus dem Nachbarland zu sein. Dafür wusste ich jetzt um die Qualität der Spanier, weshalb ich mich früh im Turnier auf ihre Seite stellte. Diesmal schaute ich auch recht viele Spiele an. Ich erinnere mich noch an das erste Spiel, das ich über die gesamten 90 Minuten verfolgte: Japan besiegte Kamerun mit 1:0. Als ich Spaniens überraschende Auftaktniederlage gegen die Schweiz miterleben musste, fürchtete ich fälschlicherweise, dass Spanien bereits ausgeschieden wäre. Ich war mit dem Turniermodus nicht so richtig vertraut und wusste daher nicht, dass eine Niederlage in der Gruppenphase noch nicht automatisch das Aus bedeuten muss. Interessant war, dass mein Vater während dieses Spiels plötzlich der größte Schweiz-Fan zu sein schien.

 

Zum Glück erholte Spanien sich davon, schaltete später Deutschland im Halbfinale aus stand im Finale den Niederländern gegenüber. Ich fieberte mit bei dem spannenden Spiel, das nach 90 torlosen Minuten in die Verlängerung ging. Da mein Bruder und ich langsam müde wurden und wir eben doch keine fanatischen Fußballfans waren, machen wir und bereits auf Richtung Bett. Der Fernseher blieb noch an, sodass wir ihn noch etwas hörten. Außerdem schliefen wir noch nicht gleich, sondern saßen im Bett bei eingeschaltetem Licht und unsere Mutter blieb auch noch ein bisschen bei uns. Auf einmal hörten wir vom weit entfernen Fernseher deutlich, wie die Stimme des Kommentators laut und euphorisch wurde. Es klang ganz danach, als sei gerade ein Tor gefallen, aber für wen? Ich weiß nicht mehr, ob ich aus dem Bett aufstand und kurz schauen ging. Jedenfalls bekam ich mit, dass die „Richtigen“ getroffen hatten! Wenige Minuten später war das Spiel zu Ende und Spanien zum ersten Mal Weltmeister.

 

Nun hatte ich wieder zwei Jahre Fußballpause, bis zur EM 2012, wobei das nicht ganz stimmt, denn einen Monat vorher schaute mein Vater zufällig das Champions League Finale an, während ich mich auch im Raum befand. Es war das erste Mal, dass ich ein Spiel mitbekam, in dem keine Nationalmannschaften, sondern Klubs gegeneinander spielten. Obwohl mein Vater während des Spiels eher den FC Bayern unterstützte, feuerte er den Sieg des Gegners FC Chelsea mit einem Bier. Ist doch egal, wer gewonnenen hat, Hauptsache ein Grund zum Saufen!

 

Bei der Europameisterschaft war ich dieses Mal doch wieder für Deutschland. Mein Grund: In der Volksschule gab es einen Mitschüler, mit dem ich mich besonders gut verstand. Da er Deutscher war und beim Fußball somit die deutsche Fußballnationalmannschaft unterstützte, machte ich es ihm nach. (Übrigens ließ ich mich auch ein Jahr später bei der Entscheidung für ein Gymnasium von ihm beeinflussen und folgte ihm in die Mehrerau.) Deutschland spielte 2012 ein vielversprechendes Turnier, unterlag im Halbfinale aber gegen Italien. Das Finale verloren die Italiener dann allerdings mit 0:4. Wer war ihr Gegner? Spanien natürlich!

 

Nach der der EM 2012, ihr ahnt es vielleicht schon, interessierte ich mich wieder zwei Jahre lang nicht für Fußball. Warum aber ließ mich das Fußballfieber ab der Weltmeisterschaft 2014 nicht mehr los? Als ich begann, mich sehr für Fußball zu interessieren, meinten manche, dass es vielleicht etwas mit meiner Schule – der Mehrerau - zu tun habe. Klingt plausibel, denn beinahe die Hälfte meiner Klasse gehörte dem Fußballzweig an. Das spielte meiner Meinung nach jedoch nur eine untergeordnete Rolle, denn es ging mir nicht darum, mich rege an Diskussionen über Fußball beteiligen zu können, sondern ich hatte ein persönliches Interesse daran entwickelt, Fußballspiele anzusehen und mir Wissen über diesen Sport anzueignen. Nicht wegen irgendjemand anderem, nur für mich selbst. Dass in der Klasse so viele Fußballinteressierte waren, war in dieser Hinsicht wohl schon auch förderlich, denn dadurch war das Thema einfach häufig sehr präsent, vor allem während der Fußballweltmeisterschaft. Vielleicht war ich während dieser Weltmeister auch deshalb noch gehypter als bei den Turnieren davor.

 

Diesmal hatte ich zwei Favoriten: Ich wusste noch nicht viel über Fußball, doch ich wusste, dass Fußball im Gastgeberland Brasilien einen enorm hohen Stellenwert hat und die Nationalmannschaft mit fünf WM-Titeln der Rekordsieger ist. Wie konnte ich anders, als für Brasilien zu sein. Zur Sicherheit suchte ich mir noch ein zweites Team aus, das ich unterstützen wollte. Es war Spanien, das die letzten drei Großturniere (eine WM und zwei EMs) gewonnen hatte. Damit konnte ich nicht falschliegen! Meine Deutschlandphase hatte ich hingegen endgültig hinter mir gelassen und war nun sogar ausdrücklich gegen Deutschland, weil es auch in meiner Schulklasse ziemlich im Trend lag, bei der WM gegen Deutschland zu sein. Wie ging es aus? Spanien blamierte sich krachend und bereits nach den ersten beiden Spielen stand ihr Ausscheiden in der Vorrunde fest. Mein anderer Favorit kam zwar ein paar Runden weiter, doch dann wurde die Heim-WM für die Brasilianischer zur Horrorshow: Erst verletzte sich Superstar und Alleinunterhalter Neymar, dann gab es das berüchtigte 1:7! Ausgerechnet gegen Deutschland, das Team, das ich am wenigsten sympathisierte!

 

Im Laufe des Turniers war mir aber noch eine weitere Mannschaft sympathisch geworden: Argentinien, aber vor allem deren Kapitän, Lionel Messi. Sie schafften es ins Finale, wo Deutschland als Gegner wartete. In diesem Spiel fühlte ich mich wie ein eingefleischter Argentinienfan. Umso größer war am Ende die Enttäuschung, als Deutschland knapp siegte und Weltmeister wurde. Vielleicht lag in dieser Enttäuschung der Grund, dass mich der Fußball nicht mehr losließ und ich besonders Messis weitere Karriere sehen wollte. Und der stand beim FC Barcelona unter Vertrag, doch damit nicht genug: Auch Neymar, der Hoffnungsträger der Brasilianer, spiele dort.

 

Nachdem die WM vorbei war, kaufte ich mir von meinem Buchgutschein, den die Klassenbesten am Ende des Schuljahres bekommen hatten, ein Buch über diese WM. Außerdem wollte ich von dem Zeitpunkt an auch andere Fußballspiele ansehen, wann immer im Fernsehen welche liefen. Ich hatte während der Weltmeisterschaft sehr starken Gefallen daran gefunden, sodass es jetzt ein neues Hobby war. Außerdem wollte ich alles über Fußball erfahren und suchte oft Clips auf YouTube. Bald interessierte ich mich nicht mehr nur für Nationalmannschaften, sondern auch für Klubfußball.


Jetzt musste ich mich nur noch für einen Lieblingsclub entscheiden. Dass Neymar und Messi beide beim FC Barcelona waren, wusste ich bereits. Dann erfuhr ich zusätzlich noch, dass ein Spieler, der bei dieser WM ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt hatte, zum FC Barcelona gewechselt war. Es handelte sich um Luis Suarez, den uruguayischen Beißer. Bei der WM hatte er für einen riesigen Skandal gesorgt, indem er tatsächlich einen Gegenspieler gebissen hatte! Ich weiß, das könnte falsch klingen, als wäre es für mich ein Pluspunkt, wenn ein Klub beißende Spieler verpflichtet. Aber in dem Spiel vor seiner Beißattacke hatte ich gesehen, dass er nicht nur ein Kannibale, sondern auch ein torgefährlicher Stürmer sein konnte. Messi und Neymar, die mir bei der WM gefallen hatten, wollte ich auf jeden Fall wieder spielen sehen. Umso besser, dass sie demselben Klub angehörten, denn wenn sie für sich schon so gut waren, konnte ich mir vorstellen, dass ihr Zusammenspiel ein Genuss sein würde. Obendrein noch einen kaltblütiger (vielleicht auch etwas blutrünstiger) Stürmer zu haben, klang nach einer spannenden Mischung, die mich neugierig machte. Es dauerte allerdings noch ein paar Monate, bis Suarez seine Sperre, die er sich mit dem Biss eingeheimst hatte, abgesessen hatte und wieder spielberechtigt war.

 

Für mich stand jedenfalls schnell fest, dass der FC Barcelona der richtige Klub war. Besonders viele Spiele schaute ich in der ersten Saison als Fan noch nicht an, denn wir hatten noch keine speziellen Abos für Sportkanäle. An Champions-League-Spieltagen musste ich mich mit dem begnügen, was im Free-TV lief. In der Gruppenphase konnte ich drei von sechs Barca-Spielen sehen, im Achtelfinale- und Viertelfinale leider keines. Immerhin wurden im Anschluss an die Live-Übertragungen Zusammenfassungen der anderen Spiele mit den Toren und den besten Szenen gezeigt. Die Spanische Liga verfolgte ich zunächst gar nicht, doch etwa ab Februar informierte ich mich stets über Barcas Spielergebnisse und schaute mir auf einer App auch Highlight-Videos an. Bald installierte ich mir eine App, die mich direkt benachrichtigte, wenn in einem Spiel ein Tor fiel. Theoretisch hätte ich mir Barcelonas Ligaspiele zwar am Computer über eine kostenlose Website live ansehen können, doch irgendwie hatte ich es nicht ganz auf dem Schirm. Die Ausnahme kam, als Barcelona den Erzrivalen Real Madrid zum Clásico empfing. Mein Vater schloss seinen Laptop extra an den Fernseher an, damit wir ein größeres Bild genießen konnten.

 

Die drei Stürmer, die ich bei der WM erstmals spielen (und beißen) gesehen hatte, harmonierten, wie ich es mir kaum besser hätte ausmalen können. Messi, Suarez und Neymar, kurz MSN, versetzten die gegnerischen Defensivreihen Spiel für Spiel in Angst und Schrecken. Während der Saison hatte ich ein Gefühl der Zuversicht. Irgendwie war ich fest davon überzeugt, dass Barca das Triple gewinnen würde. Für alle, die sich im Fußball nicht auskennen: Mit diesem Triple sind die drei Wettbewerbe gemeint, die sich jeweils über die ganze Saison erstrecken. Das sind einerseits die zwei großen nationalen Wettbewerbe, also in Barcelonas Fall die spanische Liga und die Copa del Rey. Den dritten Wettbewerb zu gewinnen und damit das Triple zu komplettieren, ist wesentlich schwerer, denn bei diesem Wettbewerb handelt es sich um die Champions League, wo sich die besten Mannschaften aus ganz Europa messen.

 

Barcelonas Halbfinalspiele gegen den FC Bayern München konnte ich dann wieder live im Free-TV verfolgen. Die Zeichen standen günstig, denn während Bayerns gefährliche Flügelstürmer Robben und Ribéry verletzungsbedingt fehlten, konnte Barca in Bestbesetzung antreten. Im Hinspiel zu Hause war Barcelona klar die überlegene Mannschaft, doch es dauerte ungefähr siebzig Minuten bis zum ersten Tor. Messi war der Torschütze, und er hatte noch nicht genug, denn nach wenigen Minuten traf er erneut. Später traf Neymar noch zum 3:0-Endstand. Sechs Tage später fand in der Münchner Allianz-Arena das Rückspiel statt. Nachdem Bayern früh das erste Tor gelungen war, wurde ich leicht nervös. Doch dann machte MSN kurzen Prozess: Zweimal brachte Messi den Ball zu Suarez, der ihn beide Male zu Neymar weiterleitete. Neymar brachte den Ball jeweils im Tor unter. Dass Bayern in der zweiten Halbzeit wieder zweimal traf und das Spiel 3:2 gewann, machte nichts, denn dank des Hinspiels konnte Barcelona mit einem Gesamtergebnis von 5:3 ins Finale der Champions League einziehen.

 

Dort hieß der Gegner Juventus Turin. Beide Teams hatte die beiden nationalen Titel ihres jeweiligen Landes gewonnen und wollten an diesem Abend das Triple perfekt machen. Es war Samstag, der sechste Juni 2015. (Nein, ich musste das Datum nicht nachsehen, denn es ist in meinem Gedächtnis fix eingespeichert!) Bereits in der vierten Minute ging Barca in Führung! Da sie es während der ersten Halbzeit verpassten, ihre Chancen in weitere Tore umzumünzen, blieb es weiterhin spannend. Nach der Pause wurden die Turiner deutlich stärker und kamen zum Ausgleich. In den folgenden zehn Minuten stand das Spiel ein wenig auf der Kippe. Dann machte Messi ernst: An der Mittellinie bekam er den Ball und dribbelte in hohem Tempo auf die gegnerische Verteidigung zu. Als er an der Strafraumkante angelangt war, feuerte er aus halblinker Position einen satten Schuss ab, den die italienische Torwartlegende Gianluigi Buffon nicht festhalten, sondern nur noch zur Seite abprallen lassen konnte. Suarez roch den Braten, war vor dem gegnerischen Verteidiger zur Stelle und staubte zum 2:1 ab. Jetzt trennten „uns“ nur noch etwa 25 Minuten vom Sieg!

 

Barcelona vergab noch ein paar Chancen, die Führung auszubauen, während die Turiner versuchten, sich zurück ins Spiel zu kämpfen, aber nur selten gefährlich wurden. So blieb das Spiel bis zum Ende hin spannend, wenngleich ich mit jeder Minute zuversichtlicher wurde. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl der Euphorie, das ich verspürte, als Neymar in den Schlusssekunden des Finales das Tor zum 3:1 erzielte und den Sieg damit endgültig machte. Es war unbeschreiblich! Besonders das Bild, als er anschließend beim Jubeln unter einem Absperrband durchsteigt, um noch näher an den Fans zu sein, habe ich noch ganz lebhaft vor Augen, fast so, als wäre es erst gestern gewesen. Kaum vorstellbar, dass Lamine Yamal – aktuell Barcelonas größter Hoffnungsträger – damals erst sieben Jahre alt war! (Jetzt ist er auch erst 18, ist aber trotzdem schon seit zwei Jahren Stammspieler und hat jetzt bereits über 100 Spiele für den Klub auf dem Buckel.)

 

Mit meiner Prognose, Barca werde das Triple gewinnen, hatte ich also Recht behalten! Wobei, so eine richtige Prognose war es nicht, denn ich hatte sie ja nicht einmal ausgesprochen. Es war aber ein intensiver Wunsch gewesen, der in Erfüllung ging! Was für eine erste Saison als Fan: Alles war einfach perfekt gelaufen! So durfte es gerne weitergehen! Der gerade beschriebe Finalsieg ist bis heute mit Sicherheit der größte Höhepunkt meines gesamten Fandaseins. Leider war dies bislang das letzte Mal, dass der FC Barcelona überhaupt in einem Champions League Finale stand. MSN hatte noch bis Sommer 2017 Bestand, dann wechselte Neymar um unvorstellbare 222 Millionen Euro nach Paris! In den darauffolgenden zwei Jahren gab Barcelona für drei Offensivspieler insgesamt fast das Doppelte aus. Sie sollten Neymars Platz einnehmen, doch keiner von ihnen konnte die Erwartungen erfüllen, geschweige denn an Neymars Brillanz herankommen. Jetzt sind diese drei Spieler auch schon wieder seit mehreren Jahren bei anderen Klubs.

 

In meinen ersten Jahren als Fußballfan wünschte ich mir zu diversen Anlässen Fußballbücher. Aber das allein war mir scheinbar nicht genug, weshalb ich mir 2015 zu Weihnachten ein Abo der deutschen Fußballzeitung „Kicker“ wünschte. Und so lag ab Jänner 2016 zweimal in der Woche die neuste Ausgabe des Kickers im Briefkasten. Etwa seit März 2016 schaute ich so gut wie jedes Spiel des FC Barcelona in den spanischen Wettbewerben an. Dazu nutzte ich die Website, auf der ich zuvor nur schaute, wenn ein Clásico stattfand. Doch nachdem ich auch mal ein paar Ligaspiele gegen „kleinere“ Teams angeschaut hatte, konnte ich nicht mehr zurück. Wenn es eine Möglichkeit gab, Spiele meines Lieblingsklubs anzusehen, warum sollte ich sie dann nicht nutzen? Im Nachhinein konnte ich nicht (und kann es immer noch nicht) verstehen, warum ich damit nicht schon eineinhalb Jahre früher begonnen hatte. Daran sieht man die Macht der Gewohnheit: Ich hatte davor nie am Computer Fußball angeschaut. Während Ligaspielen begnügte ich mich damit, immer wieder auf den Spielstand zu schauen oder von meiner App benachrichtigt zu werden, wenn ein Tor fiel. Ich war es schlicht nicht anders gewohnt gewesen.

 

Ab der im August 2016 beginnenden neuen Saison konnte man auf der Webseite keine Spiele mehr ansehen. Zuerst war ich geschockt, doch dann recherchierte ich im Internet, ob es eine andere Möglichkeit gab, um die spanische Liga weiterhin sehen zu können. Ich stieß auf einen neuen Sport-Streaminganbieter, der neben der spanischen auch die englische, die italienische und die französische Liga übertrug – damals für nur zehn Euro im Monat! Es war das erste bezahlpflichtige Fußballabo, das ich mir zulegte. Von dort an verwandelten sich meine Wochenenden in regelrechte Fußballmarathons! Oft las ich nebenher gleichzeitig noch im meiner Kicker-Zeitung. Hin und wieder machte ich während des Fußballschauens sogar Hausaufgaben, denn trotz meiner, nennen wir es „Fußballsucht“, war es mir immer noch wichtig, alles Schulische gut bis sehr gut zu erledigen.

 

Ab Herbst 2018 wurde die Champions League im Free-TV gar nicht mehr übertragen. Dafür lief ein großer Teil von da an auf dem Streaming-Dienst, für den ich bereits zwei Jahre lang ein Abo hatte. Ich konnte nun also viel mehr Champions-League-Spiele ansehen – auch mehr vom FC Barcelona. Allerdings immer noch nicht ganz alle, denn das Topspiel des Tages wurde meist nur auf einem anderen Pay-TV-Kanal übertragen. Wollte ich alles sehen, so musste ich ein weiteres Abonnement abschließen. Dann kam mir eine Idee: Die Kicker-Zeitung interessierte mich nicht mehr so sehr, denn in der letzten Zeit war mir immer mehr aufgefallen, dass ich weniger über Fußballspiele lesen, sondern sie lieber mit eigenen Augen sehen wollte. Klar, ich schaute bereits ohnehin sehr viel Fußball, aber jetzt hieß das Motto eben: Nicht mehr darüber lesen, aber dafür noch mehr anschauen! Somit tausche ich ein Abo gegen das andere. Das war im Oktober 2018. Seitdem habe ich, bis auf sehr wenige Ausnahmen, jedes Spiel des FC Barcelona angesehen!

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